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Wetterinformationen von Vaihingen
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Was bleibt dach dem Wetter und der Kirschessigfliege übrig?

Immer wieder werden wir von unseren Kunden gefragt, warum es dieses Jahr nur wenig Beeren gibt. Außerdem möchten wir Sie gerne über die bevorstehende Apfelernte 2017 informieren. Zwei Themen die zusammenhängen und den heimischen Obstbau betreffen.

Zum Einen waren die Minusgrade (bis zu -10°C) in der Nacht vom 19. auf den 20.04.2017 Grund für die Ernteeinbußen bei unserem Obst aus der Region. Diese Nacht steckt noch vielen Obstbauern in Süddeutschland wie ein Alptraum in den Knochen. Zu dieser Zeit, im Frühling, stehen viele Obstkulturen schon in voller Blüte oder tragen sogar die ersten jungen Früchte. z.B. Brombeeren, Erdbeeren und Steinobst (wie Pfirsiche und Äpfel). Die Blüten und vor allem die jungen Früchte sind bei diesen Temperaturen erfroren. Wo es Mittel gab, und es auch durch andere Rahmenbedingungen möglich war, wurde Frotzschutzberegnet. Ein paradoxes Bild von in Eis gehüllten Pflanzen. Bei der Frostschutzberegnung wird, so der erste Eindruck, Feuer mit Feuer bekämpft. Die Pflanzen werden mit einem feinen Wasser eingesprüht, dieses Wasser gefriert und die dabei freiwerdende Kristallationswärme schützt die Pflanzen vorm Erfrieren. So können teilweise ganze Ernten gerettet werden. Jedoch gestaltet sich die Frostschutzberegnung in der Praxis oft sehr schwierig und ist von Faktoren abhängig die nicht beeinflusst werden können. Wie z.B. der Windstärke. Nach bisherigen Prognosen wird es daher dieses Jahr sehr viel weniger heimischen Äpfeln geben und wir müssen mit einem höheren Apfelpreis rechnen.

Die Obstblüten welche den Frost nach Ende April noch überlebt haben, wurde es dann durch sehr heiße Tage Mitte, Ende Juni nicht viel leichter gemacht. Bei Temperaturen um die 37°C haben die Blüten einiges einstecken müssen. Sonnebrandschäden an den Blättern und Blüten waren die Folge.

Auf die Hitze folgte etwas moderateres Wetter. Die Temperaturen gingen etwas zurück und Nass-Warmes-Schwüles Wetter folgte. Bei unter 25°C findet die Kirschessigfliege optimale Bedingungen sich zu vermehren. Die Beeren, die es geschafft haben zu reifen, sind teilweise diesem Schädling zum Opfer gefallen. Dieser breitet sich seit 2011 immer mehr in Süddeutschland aus. 2014 wurden die ersten großen Schäden durch diese Fliege im Obstanbau verzeichnet. Die Drosophila suzukii, wie ihr lateinischer Name lautet, hat im Ver­gleich zu anderen Taufliegen einen langen, mit scharfen Zähnen ausgestatteten Eiablageapparat. Mit diesem kann sie die Früchte verletzen und ihre Eier dort ablegen. Die Folge ist, dass die Früchte (Kirschen, Weintrau­ben und Beeren) faulig und matschig werden. Der Wein aus solchen Trauben bekommt ein Fehlaroma und kann nicht mehr genossen werden. Die Beeren sind zum Rohverzehr nicht geeignet oder entsprechen nicht unseren Qualitätsstandards, an die wir uns über die Jahre hinweg gewöhnt haben.

Im konventionellen Anbau gibt es gegen die Kirschessigfliege einige chemikalische Bekämpfungsmittel, diese sind jedoch bienengefährdend und giftig. Für den ökologischen Landbau also keine Alternative. Hier können Netze helfen die Obstbäume vor Schädlingen zu schützen. Jedoch ist das Einnetzen sehr arbeitsintensiv, auf­wändig und bringt keinen 100%igen Schutz. Anderen Krankheiten und Schädlinge die dem Obstbau zusetzen sind z.B. der Apfelwickler, Schorfpilz oder Feuerbrand. Gegen diese gibt es allerdings gut erprobte ökologische Mittel zur Bekämpfung.

Was bleibt nun also übrig? An den ökologisch bewirtschafteten Obstbäumen und -sträuchern hängen wetter- und schädlingsbedingt weniger Früchte als in den Vorjahren. Ernteeinbußen von 50 – 100 % sind die Folge. Außerdem steigende Preise am Markt. Wir sollten gerade in solch schwierigen Zeiten unseren regionalen Obstanbau unterstützen, unsere Qualitätsansprüche überdenken (beim Genuss kommt es nicht nur auf einen perfekt geformten Apfel und eine polierte Apfeloberfläche an), uns die Saisonalität von Obst und Beeren bewusstmachen und bereit sein, mit diesem Hintergrundwissen, auch mal ein paar Cent mehr auszugeben, um die heimischen Landwirte zu fördern und ein Zeichen zu setzen.

Den Landwirten im Obstbau wünschen wir in dieser schweren Zeit viel Kraft, Durchhaltevermögen und alles erdenklich Gute.

Tel.: 07042 9 20 64

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